
Unsere Kirche heißt Martinskirche. Sie ist in der Rathausstraße/Hesselstraße zu finden. Neben ihr steht das "alte Rathaus" (im Eigentum der bürgerlichen Gemeinde).
Die Martinskirche wurde am Sonntag, 20. Juni 2010 nach über einjähriger Innenrenovierung mit einem Festgottesdienst und einem Fest in und rund um die Kirche wieder eingeweiht.
Vor der Innenrenovierung war eine aufwändige Sanierung des ganzen Dachstuhl und eine Neueindeckung des Daches notwendig gewesen.
Wir sind froh, dass unsere Kirche jetzt wieder genutzt werden kann und alle Interimslösungen ein Ende haben.
Die Pfarrertafel in der Sakristei benennt alle Männer und Frauen, die bis zum heutigen Tag in der Martinskirche das Predigtamt inne hatten und haben.

Kaum jemand erinnert sich noch an dieses Aussehen der Martinskirche - so sah sie in den Neunzehnhundertundfünfziger Jahren aus. Heller wurde es im Innern der Kirche nach der großen Innenrenovierung mit Umgestaltung in den Neunzehnhundertundsechzigerjahren.
Bei der damaligen Renovierung wurden die Seitenemporen ausgebaut, die Orgel wurde von der Chorempore herunter genommen - und auch die Kanzel wurde versetzt.
Beim Chor der Martinskirche handelt es sich um einen spätgotischen Raum. Das Gewölbe des Chores ruht auf acht Konsolen mit kunstreich gestalteten Apostelbüsten die eine Verwandtschaft zu dem Apostelzyklus in der Marienkapelle des Kloster Hirsau zeigen. Sie werden der Werkstatt Christophs von Urach zugeschrieben.
In der Reihenfolge von links (Nordseite - Kanzelseite) zur Sakristei hin sind zu sehen:
Judas Thaddäus mit einer Keule
Bartholomäus mit einem Messer
Andreas mit dem "Andreaskreuz"
Bei den zwei Aposteln an der Ostseite (hinter der Orgel) sind zu sehen:
Simon Petrus mit einem Schlüssel
Johannes mit einem Kelch
In der weiteren Reihenfolge (an der Südseite zum Rathaus hin) sind zu sehen:
Jakobus der Älter mit dem Pilgerhut, darauf sind Muscheln zu erkennen u. mit dem Pilgerstab
Thomas mit einer Lanze
Matthias mit einem Beil
Sie finden weitere erläuternde Beschreibungen mit einem Bild etwas weiter unten.
Das Gewölbe trägt von Westen (zum Kirchenschiff hin) zum Osten (Orgel) folgende Schlusssteine:
1. den Kirchenpatron St. Martin
2. einen knieenden Mann (Johannes der Täufer ??)
3. eine knieende Frau (Maria ?)
4. Christus, als der Weltenrichter
5. ein Meisterzeichen.
Kleine Schlusssteine (links und rechts von Christus) mit posaunenden Engeln vervollständigen das Ganze.
Bilder der Schlussteine
Judas Thaddäus - mit einer Keule
Judas Thaddäus war der Sohn eines Jakobus (Lukasevangelium 6, 16) und einer der Jünger Jesu; er ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas - ohne den Beinamen Thaddäus - wird im Neuen Testament sonst nur einmal erwähnt: im Johannesevangelium (14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare.
Der ihm immer wieder zugeschriebene Brief des Judas im Neuen Testament (vorletztes Buch) stammt sicher nicht von ihm. Nach der Legende wurde Judas bei einem Aufstand von Zauberern, deren Machtlosigkeit er bewiesen hatte, mit einer Keule zu Tode gemartert.
Bartholomäus - mit einem Messer
Bartholomäus war ein Jünger Jesu (vgl. Markus 3, 14-19), als Beruf war er wohl Schriftgelehrter.
Der Legende nach soll er in vor allem in Armenien gepredigt haben, wo er auch das Martyrium erlitten haben soll. Astyages, ein Bruder des armenischen Herrschers Polymios soll den Befehl gegeben haben, ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen und ihn anschließend kopfunter zu kreuzigen. (daher das Messer als Hinweis wie er getötet wurde).
Andreas - mit dem "Andreaskreuz"
Andreas und sein Bruder Simon (Petrus) stammen aus Bethsaida am See Gennezareth, sie besaßen dort ein Haus in Kapernaum (Markus 1, 29) und waren Fischer. Das Johannesevangelium berichtet, Andreas sei zuerst ein Jünger Johannes des Täufers gewesen, der ihn dann an Jesus wies, worauf er auch seinen Bruder Simon zu Jesus führte mit der Botschaft (Johannes 1, 35-42 ). Daher kommt sein traditioneller Beiname der Erstberufene.
Andreas gilt als der Apostel Kleinasiens, Konstantinopels und der Russen und ist der Nationalheilige von Russland und Schottland (die Flagge Schottlands symbolisiert das Andreaskreuz). Seine Bedeutung für die orthodoxe Kirche ist vergleichbar – wenn auch nicht ganz so herausragend – mit der seines Bruders Petrus für die römisch-katholische Kirche. Das (lateinisch ) ist ein Kreuz mit zwei diagonal verlaufenden sich kreuzenden Balken (x-förmig, nach dem griechischen Buchstaben Chi). Der Name verweist darauf, dass der Apostel Andreas an einem solchen Kreuz gekreuzigt worden sein soll.
Simon Petrus - mit einem Schlüssel
Nach allen Evangelien war Simon Petrus im Jüngerkreis eine Führungsfigur. Er steht in allen Apostellisten im NT an erster Stelle; auch dort, wo er mit Jakobus dem Älteren und Johannes zusammen genannt wird. Er gehörte demnach zu den drei Aposteln, die Jesus besonders nahe standen.
Simon war verheiratet; den Namen seiner Frau erfährt man nicht. Er wohnte zusammen mit ihr, ihrer Mutter und seinem Bruder Andreas in einem eigenen Haus in Kapernaum (Markuk 1,21.29f.; Lukas 4,38; Matthäus 8,14).
Der Widerspruch zwischen Reden und Handeln zeigte sich bei Petrus schon in Galiläa: Einerseits vertraute er dem Ruf Jesu in die Nachfolge („Komm her!“), andererseits schwand sein Glaube beim ersten Gegenwind, so dass nur Jesus ihn vor dem Versinken im Meer retten konnte (Mt 14,29ff).
Jesus kündigte Petrus auf dem Weg zum Ölberg (nach Lukas beim letzten Abendmahl) an, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen. Dies wies er wie alle übrigen Jünger weit von sich (Markus 14, 27–31.). Doch kurz darauf schlief er ein, als Jesus in Getsemane den Beistand der Jünger besonders nötig brauchte und erbat (Matthäus 26,40.43f). Dann soll er nach Johannes 18,10 mit Waffengewalt Jesu Verhaftung zu verhindern versucht haben: Er wird hier mit jenem namenlosen Jünger identifiziert, der einem Soldaten der Tempelwache laut Mk 14,47 ein Ohr abhieb. Sein Versagen gipfelt in der Verleugnung Jesu, während dieser sich vor dem Hohen Rat als Messias und kommender Menschensohn bekannte und sein Todesurteil empfing (Markus 14,62).
Fast alle Nachrichten vom nachösterlichen Wirken des Petrus stammen aus der Apostelgeschichte. Nach Apg 1,4.13 hielt er sich zusammen mit den übrigen elf Jüngern in Jerusalem versteckt, bis sie nach Apg 2,1ff der Heilige Geist überkam. Darauf folgt Petrus erste öffentliche Predigt in Jerusalem.
Die Verbindung zum dargestellten Schlüssel finden wir in Matthäus 16, 15ff. Auf die Frage Jesu an seine Jünger, wer er denn sei, antwortet Petrus: „Du bist Christus, der von Gott gesandte Retter, der Sohn des lebendigen Gottes“. Daraufhin erwidert Jesus: „Du bist Petrus, ein Fels, auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen. Ich will dir die zum Reich Gottes geben.“
Im Volksglauben wird Petrus auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht.
Johannes - mit einem (Abendmahls)Kelch
Johannes wird in den Evangelien als Sohn des Zebedäus und als Bruder von Jakobus dem Älteren vorgestellt. Johannes und Jakobus sollen von Beruf Fischer am See Gennezareth gewesen sein (Markus 1, 19–21). Sie bekamen von Jesus den aramäischen Beinamen , was das Markusevangelium als übersetzt (Markus 3, 17). Der christlichen Tradition zufolge soll der Name der Mutter der Zebedäussöhne Salome gelautet haben. Dies geht auf eine Auslegung von Matthäus 27, 56 zurück, wo an Stelle der bei Markus15, 40 erwähnten „Salome“ von der „Mutter der Söhne Zebedäi“ die Rede ist.
Zusammen mit Simon Petrus und Jakobus dem Älteren gehörte Johannes zum engsten Kreis der Jünger, der nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte und des Apostels Paulus auch in der jungen Kirche weiter eine besondere Rolle spielte.
Das Symbol des Johannes als Evangelist ist der Adler. In der Bildenden Kunst wird Johannes als Jünger in der Regel als einziger aus dem Kreis der Apostel dargestellt, weil er während des Wirkens Jesu noch sehr jung gewesen sein muss, wenn er nach traditioneller Auffassung erst unter Kaiser Trajan gestorben ist. In der Ikonografie ist sein Attribut in der Regel der Kelch (mit Schlange).

Apostelbüste Jakabus der Ältere - Südseite, zum Rathaus - nach Johannes
Jakous der Ältere - mit dem Pilgerhut und darauf Muscheln, sowie mit dem Pilgerstab
Zusammen mit seinem Bruder Johannes gehört Jakobus neben Andreas und Simon Petrus zu den erstberufenen Jüngern (Matthäus 4,21, Lukas 5,10). Der Name Jakobus ist eine latinisierte Form des Namens des Erzvaters Jakob . Jakobus und Johannes erhalten von Jesus wegen ihrer ungestümen Wesensart den aramäischen Beinamen , was bedeutet (Markus 3,17). Nach der Auferstehung befindet sich Jakobus mit den anderen Aposteln in Jerusalem (Apostelgeschichte 1,13.).
Auf Jakobus gehen auch die Pilgerwege, die man als Jakobswege bezeichnet zurück (Santiago de Copostela in Spanien)
Thomas - mit einer Lanze
Berühmt wurde Thomas durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesu und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: Mein Herr und mein Gott! Damit erkannte er als erster der Jünger die göttliche Natur Christi (Johannesevangelium 20, 24 - 29).
Er soll durch einen Stich mit einer Lanze getötet worden sein.
Matthias - mit einem Beil
Matthias ist derjenige Apostel der durch das Los zu den verbliebenen elf Aposteln hinzugefügt wurde, um Judas Ischariot nach dessen Verrat und Selbstmord zu ersetzen (Apostelgeschichte1, 23-26). Matthias wird daher manchmal auch als der bezeichnet. Der Name bedeutet „Geschenk Gottes“.
Laut anderen Überlieferung erlitt er in Jerusalem den Märtyrertod als er gesteinigt und dann noch mit einem Beil enthauptet wurde.